Diagonalezeit. what? a ride!

Liebe Welt außerhalb von Graz,

es war wieder mal ein Ride der Seinesgleichen auf dem Erdball nicht so leicht finden wird. Eine kleine Stadt mit großen Kinos, eine kleine Filmszene mit großen Filmen und ein paar kleine Parties mit großen Held_innen machten die All Austrian Filmdays zu einer Experience die man mindestens in 2½ weiteren Langfilmen verwerten könnte. Hier liebe Welt mein persönlicher Rückblick auf 17 Programme, 45 Filme und täglich ca. 3h Schlaf zwischen dem letztem hochfilmosophischen Gespräch an der Bar 8020 und der ersten Projektion um 11 Uhr früh in den Grazer Kinosälen.

Los ging’s schon Dienstag Abend: Während die, die sich rechtzeitig gekümmert hatten, in Michael Glawoggers Untitled weilten, dessen Rezeption von meinen Informant_innen als großartiges Meisterwerk grundlegender Filmkunst gepriesen wurde, eröffneten wir die Bar 8020, die im Hotel Mariahilf untergebracht, zum Partyepizentrum des gesamten Festivals avancierte…

Das Diagonale-Koffeinbier der Eule gab uns auch gleich den richtigen Kick um noch ins Nacheröffnungsfilmfest in der Listhalle reinzusneaken, dort ein paar Drinks, Suppen und Kuchen abzugreifen und die ordnungsgemäß angetretene österreichische Filmszene auch von unserer Warte aus Willkommen zu heißen. Der nachfolgende kleine Absacker in der 8020 führte zum euphorischem Begrüßen der ersten Sonennstrahlen und nach kurzem Schlafenduschen ging es um 11 ins Annenhofkino zum ersten regulären Screening: dem Kurzspielfilmprogramm 1.

Den Auftakt macht Felix Kalaivanans NEUJOHR. Ein paar Freunde treffen sich zu Weihnachten wieder mal in der vorarlbergischen Provinz und bannen einen improvisierten Dialog zweier Heimkehrer auf ein paar übriggebliebene analoge Filmreste. Ein Schneesturm schafft ein tolles Setting, dessen Dichte nur von den hin und wieder bemerkbaren Improvisationsbemühungen der Darsteller zerrissen wird und leider ein wenig an Scripted Reality Formate erinnert.

Ganz anders Sevince von Syheyla Schwenk. Ein durch und durch durchdachter kurzfilmischer Einblick in das Leben einer Burkaträgerin in Deutschland, der von Ihrem Mann eröffnet wird, dass er beschlossen hat zurück in die Türkei zu gehen und sie sich darob entgültig von ihrer Geliebten verabschieden muss. Ein bis ins letzte Detail ausgereifter Film, mit überzeugenden Schauspielerinnen und intelligenter Kameraführung, der einen Ausblick in eine Parallelwelt liefert, die für die meisten von uns, für immer verschlossen bleiben wird.

Der Sieg der Barmherzigkeit von Albert Meisl lässt mich kurz aufschrecken, hab ich die Typen in dem Film nicht letztes Jahr schon gesehen? Aber nach wenigen Sekunden wird klar, es sind die gleichen verschrobenen Musikwissenschaftler-Typen in einer neuen Geschichte. Und wieder ist es eine erfrischende Kurzkomödie über zwei Menschen mit sehr definierten Persönlichkeiten und sozialen Hürden, die diesmal in eine Kleidersammlung einsteigen, und in der Folge dort sogar mithelfen müssen um an ein musikhistorisch mehr oder minder bedeutsames Sakko zu kommen. Die Entdeckung des Films ist Nora Csamler, die eine hinreißend, treffende Skizze einer Gutmenschin abliefert, die durch und durch freundlich aber bestimmt diese Kleidersammlung leitet.

Nun kurz in den Supermarkt und mit unausgewogenem Frühstück aus Weckerln und Würsteln versorgt retour ins Annenhof zum Kurzspielfilmprogramm 2.

Von neun bis elf von Jakob Fischer, zeigt uns ein paar Teenies auf Abschlußreise, aber auch ein älteres Starschauspielerpaar (Oskar Fischer & Susi Stach), das neben den Unsicherheiten und Gemeinheiten der Jugendlichen so etwas wie Beständigkeit und Gelassenheit zu vermitteln scheint. Ein tolles abgehalftertes Hotel haben sie da ins Studio gebaut, es könnte sicher noch einigen weiteren, intensiven Szenen als Umrahmung dienen.

Die Überstellung von Michael Grudsky ist ein High-End Kurzfilm über die Überstellung eines palästinensischen Gefangenen kurz vor seiner Entlassung von einem ins andere Militärgefängnis. Vier phantastische Schauspieler mit extrem exakt definierten Persönlichkeiten exekutieren im epischen Setting der israelisch/palästinensischen Wüste eine simple Geschichte über die Facetten der Menschlichkeit in einer Extremsituation. Dank der umsichtigen Produzentin Nina Poschinski konnte für die Dreharbeiten sogar ein echtes israelisches Militärgefängniss geknackt werden (als Drehort).

Bäm, da war ja schon viel gutes dabei, aber nun hurtig aufs Rad ins legendäre Rechbauerkino um einer anderen österreichischen Filmlegende und altem Kumpanen die Hand zu schüttlen und ihn auf den Weg in seine Diagonale zu begleiten. Andi Winter, Held der Filmarbeit, ist diesmal im Zentrum einer Personale und nicht nur im Kino auch auf jeder einzelnen Party erhält man einen interessanten Einblick in das spannende Leben dieses Multitalents und Rückgrads des Ö-films.

10 Kurzfilme mit seiner Beteiligung, als Macher, Schauspieler, Kameramann, Assistent und nicht zuletzt Colourgrader bilden den Auftakt seiner Personale und wir sehen ein Potpurri sehr gelungener filmischer Kleinodien. Zum ersten Mal sehe ich die ebenfalls legendären Partypeople von Johanna Moder in der ein paar der lässigsten Grazer Schauspieler_innen mit einem Partymobil aufs Land fahren.
What a fancy festival,
aber zurück ins Annenhof zum Kurzspielfilmprogramm 3, denn obwohl Publikumsgespräche das Salz in der Filmfestivalsuppe sind, muss man sie, zugunsten der Masse, der an zu sehenden Projektionen, immer wieder skippen.

Eine interessante Zusammenstellung, dieses KSF 3, es besteht aus Experimentalfilmen und wird umrahmt von zwei höchst unterhaltsamen Musikvideos, von Gudrun von Laxenburg, die auf der Abschlussparty nochmal ordentlich einheizen sollte, und Federspiel, die zwei Wiener Damen-Lacrosseteams in den Fokus ihrer Musikuntermalung setzen.
Zapp Galura – Behemot ist als zweiter Film im Programm eigentlich auch ein Musikvideo, bleibt aber als herzzerreißende Lovestory zwischen einem Staubsaugerroboter und einer Rasenmäherroboterin in Erinnerung. Ein Film der ebenso in die Kategorie des innovativen Kino fällt wie Sara the Dancer, ein Film für den Tim Elrich mit seinem Team Google Streetviewaufnahmen auf Fehler hin untersucht worden sind, die als Bilderreigen für die Geschichte einer zum Leben erwachten Streetviewkamera auf einem Googleauto dienen. Ein ziemlicher Knochenjob, das alles durch zu forsten und dann so zu samplen das es Sinn macht, aber mit einer klugen Dramaturgie und einer entzückenden Story macht auch das Spaß und führt uns schließlich in die Pariser Oper, wo eine dieser Kameras bereits als Tänzerin engagiert ist.

Dann noch Wannabe von Jannis Lenz, über die junge Youtuberin Coco die sich mit ihrem Channel auf den Weg zu Fortune und Fame macht. Ein herrlicher Blick auf die unsichtbaren Seiten des Lebens einer Videobloggerin, der so ganz nebenbei, nicht zuletzt über die genial, überzeugende Hauptdarstellerin, ein paar sehr treffende Eindrücke eines gegenwärtigen Lebensgefühls in Wien festzuhalten vermag. Und Schmäh hat’s auch noch.

Genug Kurzfilme, im Hauptabendprogramm ziehen wir uns was längeres rein, aber halt, da hat sich noch eine kurze Arbeit vor den Hauptfilm geschummelt:
Fortuna, eine jahrelang fortgesetzte Dokumentationsarbeit über eine Frau, die ihre Mutterwerdung und deren Entwicklungsstufen von der Wiege bis zum Abflug in wenigen aber aussagekräftigen Bildern festhält.

Siebzehn ist dann der erste Langfilm den wir sich zu Gemüte führen und es geht, wie der Name schon sagt um eine Horde Siebzehnjähriger, die ihr Frühlingserwachen zelebrieren. Monja Art versteht es ein paar tolle Jungschauspieler_innen zu wunderbar natürlichem Spiel zu geleiten. Man erkennt sich selbst in vielen Situationen wieder und denkt unentwegt an seine eigene bewegte Teenagerhaftigkeit. Es werden viele Themen der Jugend angerissen, und auch die Szenen sind dicht und angenehm zu verfolgen, aber es plätschert auch ein wenig dahin und es kommt zu keinen wirklichen Tragödien. Vielleicht erscheint es gerade darob so authentisch.

Weil wir Grete Thiesel lieben wuchten wir uns schließlich auch noch in die Spätvorstellung von Attack of the Lederhosenzombies. Ein Film der von der Promo, vom Thema und vom Auftritt der Macher eingangs sehr gut daherkommt, aber nach nur 10 unterhaltsamen Minuten in ein sinnloses, dialogfreies Gemetzel übergeht. Zugunsten internationaler Verwertbarkeit, wurden die ausgezeichneten Ausgangsideen nivelliert und weitgehend von Witz und ironischer Brechung befreit. Als ausgesprochener Liebhaber des Genrekinos muss ich leider von einer vertanen Chance sprechen und finde die Ursache nicht zuletzt in der, wie sich aus dem Nachfolgegespräch heraushören lässt, übertriebenen Einflussnahme  internationaler Vertriebspartner.
Das war Tag 1 im Kino, danach geht’s in die Papierfabrik zur bereits institutionalisierten Filmakademieparty wo sich alte Absolventen mit blutjungen Aspirant_innen tummeln und zu old-school Hadern von Alber Meisl u.a. abgetanzt wird. Nach kurzem vor und zurück in die 8020 dämmert es auch schon wieder, als wir uns für wenige Stunden Schlaf kurz mal neben die (in dieser Woche sehr verständnisvolle) Liebste betten.

Der Donnerstag beginnt auf einem Fitting für einen Kostümfilm, das mich meinen Hipsterbart und die Frühvorstellung kostet, aber natürlich auch für einen weiteren Diagonaleleinwandauftritt in Stellung bringt und setzt sich fort

im Annenhofkino zur Doku Unten von Djordje Čenić. Die Geschichte eines Gastarbeiter_innensohnes und seiner Familie vom Weg nach Linz bis in die heutige Zeit. Als studierter Historiker erzählt der Filmmemacher, der schon sehr früh seine eigenen Kameras hatte, mit viel persönlichem Material über sein Aufwachsen zwischen oben und unten und nebenbei über die Entwicklung Jugoslawiens und der besonderen Stellung seiner Familie als Teil der serbischen Minderheit in Dalmatien. Offen gibt er zu, wie er selbst kurzzeitig vom nationalistischen Rausch, zu Beginn des Zerfalls des Titostaats erfasst worden war und zeigt auch die ungesehene Geschichte, wie Kinder in Österreich neben der regulären Schule auch noch zu Pionieren ausgebildet, worden sind. Ein episches Filmwerk, dass einen schonungslos miterleben lässt, wie unsere Nachbar_innen und Mitbürger_innen von der Zeitgeschichte unendlich härter mitgenommen worden sind, als die eingeborenen Deutschösterreicher_innen.

Am Nachmittag muss ich mich kurz zu Hause frisch machen und einen Film auslassen, denn ich hab frühmorgens noch nicht mal meine Fahrradlichter eingepackt, die spätabends brauchen würde.

Um 18:00 wieder zurück ins Annenhof zu Guardians of the Earth, einem beeindruckenden Exklusivbericht zur Entscheidungsfindung auf der Pariser Klimakonferenz. Die Schwierigkeit der Völkerverständigung auf globaler Ebene. Es geht um die Festlegung gemeinsamer Ziele aller Staaten auf der Welt und die Formulierung einer gemeinsamen Erklärung. Von den untergehenden Seychellen und Marshallinseln bis zu den erdölproduzierenden Giganten Saudi Arabiens und der Vereinigten Staaten von Amerika. Wir sind mit den Kameras ganz nahe dabei, vor allem was die Überlegungen der Leitung der Konferenz betrifft, als auch insbesondere bei einem Koordinator der Gemeinschaft der am Wenigsten-entwickelten-Länder die am härtesten für ihr Gehörtwerden kämpfen müssen und am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Das Ringen um die letztgültigen Formulierungen des Textes ist ebenso schwierig und langatmig wie der Kampf um ambitioniertere langfristige Klimaschutzziele die den Interessen der Weltwirtschaftsgiganten auf schnellen Profit entgegenstehen. Ein mutiges und spannendes Zeitdokument, dass mir bei allem Klima-Schrecken Hoffnung macht, dass wir in Wahrheit höchst zivilisiert miteinander umgehen können, wenn wir nur wollen.

Abends dann ins großartige KIZ Royal in die Vorstellung von Ugly von Juri Rechinsky. Dichtes Gedränge in der Österreich-Premiere dieses Magensturmdramas, dass mit großartigem Method-Acting in einem beinharten Setting tiefe Einblicke in die Seele der geschundenen Kreaturen zulässt und verstörende Eindrücke auf die Wahrnehmung des eigenen Selbst. Die Schonungslosigkeit mit der der Regisseur die Schauspieler_innen in extremen Situationen, einem Krankenhaus in der Ukraine und einer Alzheimererkrankung in Österreich, agieren lässt öffnet die Pforten zu den Abgründen der Menschlichkeit, wie sie sonst nur in von Trier oder alten Seidl Filmen aufspringen. Harte handwerklich brillante Kost.

Diesmal entgeht mir die Diskussion, weil ich in der Festivalbar 8020 spontan als DJ geladen wurde und mich mit meinem Vinyl um das runterkommen und abspacen der weitgereisten Cineasten und partywütigen Locals kümmere.

Der Freitag am Festival bleibt mir weitestgehend verborgen, da ich überraschend nach Ungarn verfrachtet werde um der Einstellung eines Hollywoodfilms den letzten brillanten Schliff zu verleihen.

Rechtzeitig zurück komme ich zum genialen Austropopfilmspätprogramm und zwei ORF-Musik-Filmen, die mich trotz ihrer Unterschiedlichkeit, beide schwer persönlich treffen.
Der französische Abschnitt der Proletenpassion hat mich schon daheim, als ich diese Seite des Drei-Platten Albums wieder und wieder hörte, schwer beeindruckt und nun sah ich endlich die Bilder dazu, die teilweise von meinem alten Wiener Regiemeister Dieter Haspel inszeniert worden sind. Nun, mit den Bildern, stellt sich mir der Kampf der Kommunard_innen noch blutrünstiger und ehrenvoller dar, und ich bin überzeugt, dass die revolutionären Schlager die die kurzzeitige Befreiung von Paris besingen, mit ihrer Sprengkraft bald an jeder Ecke im Kampf um die Befreiung von Graz gepfiffen werden.

Im zweiten Flick Neon-Mix sehen wir Wilfried als alternden Rocker, der für seine ihn aushaltende Freundin in die Werbung geht und mangels eigener Ideen den Stil von Tanzverbot aka Chuzpe destillieren soll um ein Softgetränk zu vermarkten. Ein surreales höchst komödiantisches Meisterwerk mit extrem guten und leider später selten wiedergesehenen Darstellerinnen. Der Regisseur dieses Films Peter Gruber ist übrigens mein wichtigster Schauspiel- und Regielehrer überhaupt und es wundert mich das gerade in diesem Film, seine im Theater so unerreichte Dialogregie, ein wenig zu wünschen über lässt, aber das liegt wahrscheinlich, wie ich jetzt erkenne, an den schauspielernden Musikern. Trash Faktor V!
Unter den beiden Links hier verbergen sich Übrigens die Klassiker in voller Länge auf Youtube.

Die Party findet nach einem kurzen Abstecher ins Künstlercafe Wolf wieder in oder besser gesagt vor der Bar 8020 statt. Die Polizei kam am frühen Abend schon mal vorbei um nach dem Rechten zu sehen, aber forthin konnten die friedlichen Menschenmassen unbehelligt in großen Trauben auf der Mariahilferstraße bis in die Früh cornern ohne von der Aufsicht behelligt zu werden.

Samstag will ich meine Restfetten gleich mitnehmen um die Chuzpe Doku von Peter Ily Huemer so richtig zu genießen, aber Badauz erst als ich schon in der Projektion sitze und der Vorspann läuft, merke ich dass ich nicht nur im falschen Film sondern gleich im falschen Kino gelandet bin, wo mir statt einem trashigen Kunstkaffee nun eine harte Dokumentation über Fetözid, die pränatale Tötung von Föten nach dem dritten Schwangerschaftsmonat serviert wird. Hart aber gerecht. Mehrmals überlege ich aus Die dritte Option zu gehen, da ich mich noch für zu jung halte um mich mit Themen der menschlichen Vermehrung auseinander zu setzen, aber dann ist diese Doku so gut gemacht und besticht vor allem durch brillante Bilder (Kamera: Judith Benedikt) und starke bildliche Assosationen zu den behandelten Schwerpunkten, dass ich bis zum Schluß bleibe und mich um einiges an Erfahrung und Perspektiven reicher fühle.

Ich bleibe, nach kurzem Readjustierungsheimradtrip im Annenhof und gebe mir Die beste aller Welten, ein aktuelles Drama über Junkies in den Neunzigern. Wir begleiten einen kleinen Junge über die letzten Monate der Heroinsucht seiner Mutter in der Salzburger Szene. Wir sind hautnah dabei bei den verlorenen Gestalten auf der ständigen Suche nach dem nächsten Schuss und erleben wie normal das Junkieleben ist und dass man trotzdem noch eine halbwegs gute Mutter sein kann. In surrealen Ausstiegen kommen wir selbst auf Trip mit dem kleinen Jungen der sich Märchen zusammen dichtet, wohl um die seelische Situation seines Umfelds zu verstehen und zum ersten Mal auf dieser Diagonale schießen mir letztendlich als Mutter und Sohn nochmal mit dem Leben davon kommen, die Tränen senkrecht aus dem Gesicht und die emotionale Aufgerissenheit vertieft sich noch als schließlich unvermutet klar wird, dass der Regisseur des Films, Adrian Goinger, der kleine Junge ist, der die Geschichte erzählt. Ein Meisterwerk zweifelsfrei,

doch ich bin für einen Film im Nebenkino eingebucht und muss mir schnell und ohne Diskussion mein Ticket zur Boris Bukovski Doku – Der Fritze mit der Spritze holen. Da werden wir noch mehr über Heroin erfahren denke ich, aber der Titel verspricht zu viel. Interessant war diese Band Magic, in der der Fürstenfelder seine ersten Schritte Richtung Fame machte, bevor er als Solokünstler eine österreichische Karriere machte. Die Doku bleibt jedoch an der Oberfläche. Es werden einfach und ohne großen Bildaufwand, abgesehen von sehr schönem Rock-Archiv Material, Stationen aus dem Leben des Künstlers abgearbeitet ohne wirklich jemals einen Blick unter die Oberfläche zu werfen oder aufzuspüren zu versuchen, warum die alten Austropopherren so selig über die alten Zeiten lächeln. Ein distanzierter Film der vielleicht das distanzierte Image des Barden widerspiegelt…

So laufe ich unbeeindruckt ins Kurzdokfilm 4 Programm und wundere mich ein bisschen, warum diese 4 Kurzfilme nicht im experimentellen Programm laufen, da ihnen allsamt wenig dokumentarische Ambition innewohnt und wenig Aussage- oder Informationswille erkennbar ist. Ich hülle den Mantel des Schweigens über die einzelnen Eindrücke, man kann auch mal daneben greifen, oder etwas einfach nicht verstehen.

Spätnachts aber doch noch ins Innovative Kinoprogramm 3 ins Schubert 2. Fazit und Seitenhieb aufs vorhergehende Programm vorweg: Ganz klare Settings und Versuchsaufbauten führen auch im experimentellen Bereich zu narrativ bereichernden Ergebnissen. Armina Handke legt mit In Fermata los eine Kamera hinter einem zweigeteilten Gitter blickt auf eine Aussichtsplattform hinaus die an einem Meer liegt. Menschen kommen, gehen und verschwinden und bemerken auch manchmal die Kamera. Schön zum Anschaun.

When Time Moves Faster von Anna Vasof ist besonders genial. Sie konstruiert mit Menschen, Vorhängen und Papierrollen Versuchsaufbauten die die Entstehung bewegter Bilder erfahrbar machen. Ein ästhetisches und sinnliches Glanzerlebnis, das in verzückenden Rotationen kulminiert.

A propos Rotation, darum dreht sich Richard Wilhelmers Hypnodrom. Mit sich drehenden Bildern und meditativem Text kann man sich kurz wegspacen und überlegt sich eigene Filme als Drogener- oder Zusatz.

Der vierte Film Panoramis Paramount Paranormal spürt die geisterhaften Überbleibsel eines abgebrannten und mit einem Wohnkomplex überbautem Filmstudios nahe Paris auf. Man kann sie irgendwo zwischen den verschiedenen weitgehend zusammenhanglosen Sequenzen auch ein bisschen entdecken, wenn man genau hinschaut und vielleicht genug von dem Hypnofilm davor auf der Retina gespeichert hat.
A proposal to a project zeigt eine Leinwand die von Schatten bespielt wird in einem Nationalpark und nun erst wieder im Kino gezeigt wird. Da ich kurz die Augen geschlossen hatte und der Film noch kürzer war versäumte ich ihn, erfreue mich seiner aber da ich seine Geschichte kenne. Metamanisch.

Wo waren wir am Samstag abend überlege ich kurz um alsogleich festzustellen dass nach einem Koffeinbierkick in der 8020 und ein Hallo beim Drehschlussbier eines der sensationellsten Kinoprojekte der nächsten Jahre natürlich der Bär im Orpheum steppte, wo nach der Preisverleihung die genialen Gudrun von Laxenburg wieder Schwung in die geräderten Glieder brachte und auch die DJs z.B. der großartige Zuzzee für hottes Abshakepotential sorgten. Sogar meine Liebste ist am Start und danced mit mir bis das Taxi kommt und ich ausnahmsweise mal früher daheim bin…

Trotzdem beginnt der Sonntag erst um 13:30 im Schubert mit Dead Flowers von Peter Ily Huemer. Ein geniales Movie aus dem Jahre 1991. Die Geschichte eines Kammerjägers der auf eine junge Dame trifft, die, wie sich herausstellt aus dem Totenreich geflüchtet ist. Ein geniales Setting in zeitlosen Bildern mit großartigen z.T. bis heute unentdeckten Schauspieler_innen erfreut das Cineastenherz und gerne hätten wir noch dem großen Producer Heiduschka gelauscht, wenn nicht

im Annenhof schon Ciao Chérie von Nina Kusturica auf uns gewartet hätte. Ein Film der sich nur in und vor einem Call Center in der Neulerchenfelder Straße in Wien Ottakring abspielt. Ganz nah kriegt man intime Details aus dem Leben der Telefonierenden und der Callshopbetreiberin mit und kann in seinem Kopf eigene Bilder zu den Geschichten aus aller Herren Länder entstehen lassen. Ein großartiges Schauspieler_innenensemble und eine unaufdringliche Regie macht uns zu stillen Beobachter_innen der komplizierten Leben von fremden (im Sinne von unbekannten) Leuten. Essentiell Cineastisch.

Noch einmal kurz ans in dieser Woche nur selten zwischen den Filmen gesehene Tageslicht und dann in die letzten beiden Filme daheim im Annenhof.

Bildung über Alles ist ein kleiner Kunst- und Experimentalfilm über eine innovative basisdemokratische Bildungseinrichtung in England. Während die gesprochene Erzählung sehr konkret ist sind die gezeigten Bilder abstrakt und performativ. Der amüsante Schlusswitz haucht dem vorher gezeigten späte Bedeutung ein.

Relativ Eigenständig ist eine Weltklasse Doku über ein paar Schüler der öffentlichen Fröbel- und der privaten Modellschule, die in einer Gasse in Graz stehen und deren Schüler sich im Zuge eines gemeinsamen Theaterprojekts begegnen. Die Grazerin Christin Veith, die selbst auf eine der Schulen gegangen ist, hat den jungen Leuten Kameras in die Hände gedrückt und ihnen verschiedene Drehaufgaben gegeben, aber ihnen auch weitgehend freie Hand gelassen und zu Recht darauf vertraut, dass sie schon irgend etwas Spannendes abliefern werden. Ergänzt durch Interviews bekommen wir über einen längeren Zeitraum einen sehr nahen Eindruck vom Leben der Teenager aus verschiedenen Klassen und Klassen und freuen uns an ihrer offenen Art und ihren ganz persönlichen Zugängen zum Medium Film.

Ein gelungener, hoffnungbringender Abschluss einer glohrreichen Diagonale, deren Organisation einfach großartig, liebevoll und unkompliziert war. Die Filme die ich 2016 verfolgen konnte  ___link hier___ waren im großen und ganzer etwas brillanter, aber einige der heuer gesehenen Filme und ihre Macher_innen werden uns noch lange Freude bereiten.

Ich geh erstmal nochmal schlafen und träume vom nächsten Jahr wo ich meine Appereances auf einer Diagonale Leinwand (2017:1) hoffentlich gesteigert finden werde. Peace die Tage yours jimi lend

Advertisements

Über jimilend

Transformer Performer Terraformer :*
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s