QWERTZGERETTET

Die Sterne sind plötzlich verschwunden aus diesem Himmel über mir, der mir eben noch sondertiefe Einblicke in Zeit und Raum gewährte. Ich bin in Bewegung schon den ganzen Tag, seit dem erfrischend kühlen Morgen an dem ich den Poushi zu Luangprabang bestieg und mich an seinem Rundumblick sowie seinen Naturkulturwundern erfreute. Da ich allein war kniete ich vor den Buddas um die Erfahrung zu machen. Vor Leuten die diesen Glauben leben würde ich das wegen der Gefahr für respektheischerisch zu gelten niemals tun. Ein Blick auf einen Reiseveranstalteraushang und der leicht säuerliche Nachgeschmack des kleinen Zimmers, in dem vor mir wohl eine Kleinfamilie mit Hund gehaust haben müssen, machen mir den Entschluss leicht, das in den Reiseführern vielgerühmte Städchen nach den paar Stunden einer Nacht heiter zu verlassen und wieder südwärts zu ziehen. Entgegen meiner üblichen Reiseweise, die die einfachste Transportmöglichkeit von einer zur nächsten Destination vorsähe, besteige ich einen VIPbus und bereue bald nicht auf die ausgewiesenen Sitzplatznummern geachtet zu haben, denn während die übrigen Falangs, also europäisch aussehnde Passagiere, in breiten armbelehnten Sesseln mit wenig Beinfreiheit Platz nehmen dürfen, finde ich mich, nachdem ich von meinem freigewählten Wunschplatz vertrieben werde, in der letzten Sitzbank genau zwischen Vater/Mutter + Sohn/Tochter wieder, mit Beinfreiheit nach vorne zwar aber zu den Seiten nicht einmal im Ausmaße meiner Schultern, die nur deshalb unverbogen Platz finden, weil ich wesentlich Größer als die Laoten bin, deren Jugend in meinem speziellen Fall mehr in die Breite geht, während die Eltern eher zart gehalten sind. So überwinde ich das nörliche Mittelgebirge Laos händeringend und finde erst Entspannung, als mir gewahr wird, daß mein Qwertztastaturiertes Mobiltelefon hervorragend geeignet ist, den Hirnströmen in den meisten erdenklichen Lagen Ausdruck in Form von Buchstaben zu verleihen. Ich trinke das thailändische Original des weltweit beliebtesten Aufputschmittels und lasse dem nun sich aus der Beengtheit des reiseverpackten Körpers lösenden Geist Raum sich im Speicher des kleinen Computers auszubreiten, lasse so den Bewegungsenergiestrom hunderter kurvenreichster Kilometer auf der Landstraße nicht ungenutzt. Die Lichter zweier Großstädte in nächster Zukunft, sowie das Rauschen des südlichen Meeres ein paar Tage weiter, tun ihr übriges mein Herz zu erquicken und meine Gedankenwelt in jene unschuldige Verzückung zu versetzen die sie benötigt um fruchtbar tätig auch außerhalb des sie transportierenden Gefäßkörpers zu wirken und siehe da als diese scheinbar verschnörkelten aber doch präzise beschreibenden Sätze formuliert sind tauchen aus dem Himmel wieder die vielgeliebten Lichter der Vergangenheit auf, als wollten sie mich anfeuern sie niemals aus dan Augen zu lassen, darob sie mich weiter durch Zeiten und Räume navigieren, wie diesen gut gebremsten Reisebus mit seiner vierköpfigen Crew und den herrlichen Asiahits…
Ins Handy getippt auf der letzten Bank des VIP-Busses von Luangbrabang nach Vientiane im November 2014.

Über jimilend

Transformer Performer Terraformer :*
Dieser Beitrag wurde unter Prose abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s